Jetzt laufe ich seit 2 Tagen durch unsere Wohnung und suche nach was Blauem. Nein, nicht für eine Hochzeit. Für diesen Artikel hier. Ich wollte was Schönes in Blau fotografieren. Nix. Gar nix. Ok, Hellblau hätte ich was, aber Hellblau gilt nicht. Türkis und Mint gibt´s noch und nöcher. Aber es soll mindestens Mittelblau sein, besser noch Dunkelblau. Nix. Nada. Niente. Das Erste, was ich fand, war mein Ringelshirt mit maritimen Streifen in Dunkelblau. Aber gilt das? Wohl eher nicht. Dann hab ich´s gesehen: eines meiner Lieblingsbilder hat was Blaues drin! Und ein Haufen mit Büchern, die einen blauen Einband haben. Geht doch… 😉

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Gilt das? Ein dunkelblau-weiß-gestreiftes Ringelshirt?

Was hab ich nur mit Blau?

Hm, keine Ahnung. Ich liebe wirklich fast alle Farben, nur dunkles Blau gehört nicht dazu. Dunkelblau geht gar nicht. Seit zwei Tagen denke ich darüber nach, warum eigentlich nicht. Ich glaube, ich weiß die Lösung…

Wie komme ich überhaupt dazu, mich zu fragen, was ich mit Blau habe?

Weil ich zur Zeit neue blaue Geldbeutel für meinen Shop machen will. Und egal welche Farbe ich dazu lege, es gefällt mir nichts. Kein Rot, Grün oder Gelb, ja nicht mal mit Pink sieht es für mich gut aus. Ich hab einfach keinen Bezug zu Blau. Dabei sind die Leder echt schön. Ich werde sie jetzt einfach Ton-in-Ton machen, vielleicht freunde ich mich dann etwas damit an.

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Läßt sich nicht vermeiden, dass man Bücher toll findet, die einen blauen Einband haben…

Warum ich Blau nicht mag?

Wie so oft liegt die Ursache in meiner Kindheit. Glaube ich zumindest. Ich kann mich noch guuuut daran erinnern, wie ich als kleines Mädchen, wie alle kleinen Mädchen, immer wie eine Prinzessin aussehen wollte. Ich durfte es nie. Nicht mal im Fasching. Ich war immer Cowboy. Und sah immer wie ein Junge aus! Kurz vor den großen Ferien musste ich immer zum Haare schneiden- damit sie schneller trocknen, wenn ich aus dem Wasser kam. Ich hasste das! Und als ich schon tränenüberströmt schreiend auf dem Friseurstuhl saß, kam mein Vater und begutachtete den Kurzhaarschnitt. “Noch kürzer!” Sogar der Friseur hatte Erbarmen mit mir, aber er musste nachschneiden. Ich heulte drei Tage lang! Meine Mutter sagte dann jedes Jahr: “Wenn du groß genug bist, um deine Haare selbst zu waschen und zu kämmen, dann kannst du lange Haare haben. Solange ich das tun muss, bleiben sie kurz.” Punkt. Wundert ihr euch, dass ich heute lange Haare habe und sie niiiieee abschneiden werde? Und gut, dass ich meine Friseurphobie in den Griff bekommen habe. Irgendwann mit 30 oder so.

Aber zurück zur Farbe Blau. Die Geschichte mit den Haaren ist aber wichtig, denn jetzt kommt Jungenstyling Nr.2: Hosen! Ich wollte immer Röcke tragen (weil ja eigentlich eine Prinzessin!), aber ich musste was? Ja genau, Hosen tragen. “Die sind viel robuster!” Klar, ich war ja auf jedem Baum schneller als meine Mutter schauen konnte. Und hatte ständig zerrissene Strumpfhosen, sobald ich mal einen Rock tragen durfte. War blöd von mir, ich weiss, aber damals war ich noch nicht so schlau, mich zu “benehmen”, wenn ich einen Rock anziehen durfte. Also kaufte meine Mutter mir immer nur Hosen, weil man da besser Flicken an den Knien aufnähen konnte. Hosenphobie? Gott sei Dank nein, ich trage heute noch am liebsten Hosen 😉

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Dieses Bild von Gabriele Stieghorst fand ich wegen des Motivs schön, nicht wegen der blauen Farbe. Und schließlich hat die Prinzessin rosa Haare 😉

Aaaaber: diese Hosen, sowie meine ganze Kindergarderobe, Kinderzimmer, Fahrrad und alles andere, waren gänzlich und ausschließlich in Dunkelblau! Und Gelb! Die Lieblingsfarben meiner Mutter.

Kennt ihr eine Prinzessin, die dunkelblaue Hosen mit einem gelben Pulli trug und dazu ganz kurze Haare hatte? Also ich nicht. Immer, wenn ich mit meiner Mutter einkaufen gehen musste, kamen wir mit einem dunkelblauen Teil für mich nach Hause. Immer wieder und wieder. Ich wollte Rosa, bekam es jedoch nie! Wie sich die Zeit geändert hat … 😉

So wurde ich also mit kurzen Haaren, Hosen und Dunkelblau in meiner Kindheit regelrecht gequält. Bis zu dem Tag, wo ich mir von meinem Taschengeld eine rosafarbene Nähmaschine bei Quelle gekauft habe. Und anfing, mir meine Kleidung, meine Kissen, Hussen und alles andere, was machbar war, selbst zu nähen. Einfach über das Blaue drüber stülpen. Herrlich! Ein Teil nach dem anderen verschwand aus meinem Blick, aus meinem Zimmer, aus meinem Leben.

Und die Farbe Rosa zog ein. Endlich Prinzessin. Man muss es nur wollen und abwarten können. Ich hab´s geschafft.

Eure Pepe

edit: stimmt immer noch. Ich tu mich schwer mit Blau zu kombinieren. Daher kein Dunkelblau in der Herbstkollektion- sorry. Habe immer noch lange Haare und meistens irgendwas mit Rosa an mir 😉

8 Kommentare
  1. Angela
    Angela sagte:

    Hach du Süße…..

    ich liebe deine Geschichten! Ja, solche Prägungen haben wir wohl alle mitbekommen, denke ich. Auch unsere eigenen Kinder werden wohl die eine oder andere Prägung mitbekommen. Da hilft nur achtsam sein und rechtzeitig die Kurve kriegen….

    Ich hasse Kopfbedeckungen jeglicher Art, denn ich musste Hüte tragen als kleines Mädchen. Hammerhart! Jägerhut mit Gamsbart, Reiterkäppi, bunter Sommerhut. Die erinnere ich noch.

    Ich kann mich gar nicht anfreunden mit Second-Hand-Klamotten/Upcycling, denn bei uns drei Kindern wurde aufgetragen, was möglich war, nur dass ich zwei Brüder hatte.

    Ich hab aber auch noch so ein paar Essenstraumata aus meiner Schülerinternatszeit (Gymnasium) oben drauf bekommen. Alles nicht so einfach!

    Und bei mir ist es Rot! Reines, leuchtendes Rot. Da findet sich kein einziges Teil in meinem Kleiderschrank. Nur ein paar einzelne Teilchen in der Wäscheschublade, aber in wärmerem Rot. 😉 Ich kaufte mir allerdings mal ein feuerrotes hochglänzendes, superchices Klavier. Von dem musste ich mich leider wieder trennen. Platz!

    Naja, ich bin trotzdem groß geworden. 😉

    Wenn ich an dich denke/von dir lese, denke ich an Rosa. Das fühlt sich stimmig an.

    Ganz liebe Grüße
    Angela

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  2. astrid
    astrid sagte:

    Interessante Geschichte!

    Ich konnte als einzige Schwester von zwei älteren Brüdern auch nicht viel mit den blauen Hosen anfangen, die ich aber selbstverständlich nachtragen musste.

    Meine beiden Mäderl werden hauptsächlich in Pink, Lila und Rosa gekleidet und seit mein kleiner Sohnemann auf der Welt ist, gehe ich merkwürdigerweise liebend gerne Blaues einkaufen, für ihn und für mich- sogar Dunkelblau. ♥

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    • Pepe von elfenklang
      Pepe von elfenklang sagte:

      Wenn mir jemand garantiert hätte, dass ich eine Tochter wenigstens bekomme, hätte ich vielleicht auch einen Kinderwunsch gehabt. So war mir das Risiko zu groß, nur noch Blau kaufen zu müssen 😉 lg pepe

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      • Andrea Kazda
        Andrea Kazda sagte:

        Das Geschlecht is noch keine Garantie, eine Freundin hat vier Töchter, die ersten drei sportlich & nix mit Rosa, erst die vierte ist eine Prinzessin, dafür nun das volle Programm!
        Lustig zu beobachten, so klein, aber die Persönlichkeit ist angelegt! Ich war übrigens ein Mädchen mit Lieblingsfarbe Blau!

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  3. Andrea Kazda
    Andrea Kazda sagte:

    Ich freu mich, dass du nun deine Farben lebst und uns mit deinen lustigen beiträgen und farbenfrohen Werken mit auf die Reise nimmst. Solche Prägungen haben wir wohl alle. Ich trage mit wonne nur mehr hosen, geh nie nicht wandern und hab seit mind. 25 jahren keinen spinat mehr angerührt! 😉 lg andrea

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  4. Sylke
    Sylke sagte:

    Moin Pepe,

    ich könnt’ mich wegwerfen 🙂

    Du schreibst so schön bildlich. Ich kann es mir richtig vorstellen. Pepe mit kurzen Haaren und in Dunkelblau…grins… Nein geht gar nicht. Aber ich kann mir Dich auch nicht in einem Kostüm vorstellen… wieder dunkelblau… grins.

    ROSA, das bist Du!!

    Blau in fast allen Nuancen liebe ich ja, jedoch kein Dunkelblau!!

    Viel Erfolg beim Kombinieren und einen lieben Gruß nach Salzburg

    Sylke

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